Dr. med. vet. Ian Steuer

Praxis für integrative Tiermedizin und Akupunktur

Akupunktur

Was ist Akupunktur?

Akupunktur nennt man die Behandlung definierter Punkte des Körpers durch das Einstechen dünner Akupunkturnadeln.
Eine Sonderform ist die Laserakupunktur, bei der die Punkte mittels Energie aus einem Low-Level-Laser stimuliert werden. Laserakupunktur ist schmerzfrei, wirkt jedoch weniger nachhaltig als die Nadelung und muss öfter durchgeführt werden. Bei unruhigen Katzen ist es oft einfacher, schnell eine Nadel in einen Punkt zu stechen als den Laser fünfzehn Sekunden ruhig auf dem Punkt zu platzieren.
Man kann die Punkte auch durch Fingerdruck stimulieren (Akupressur), was ich den Tierbesitzern oft für die Nachbehandlung daheim zeige.

Wie wirkt Akupunktur?

Nach der Lehre der TCM wird über die Behandlung der Akupunkturpunkte das Qi, die Grundenergie des Körpers, beeinflusst. Je nach Punktwahl und Technik werden Qi-Blockaden gelöst, der Qi-Fluss harmonisiert, Qi-Defizite aufgefüllt oder Qi-Überschuss abgeleitet. Durch die Harmonisierung des Qi-Flusses und den Ausgleich der gegensätzlichen Yin- und Yang-Kräfte erlangt der Körper seine Regulationsfähigkeit zurück.
Westliche Wissenschaftler erforschen die Wirkung der Akupunktur inzwischen intensiv und konnten in vielen Untersuchungen nachweisen, dass die chinesische Heilmethode bei einer Fülle von Erkrankungen hilft.
Was aber genau bei einer Akupunktur im Körper abläuft, ist nach westlichem, wissenschaftlichem Verständnis noch nicht restlos aufgeklärt.
Die heilende Wirkung kommt u.a. dadurch zustande, dass der stimulierende Reiz der Nadeln im Gehirn eine vermehrte Ausschüttung von Botenstoffen auslöst, die schmerzlindernd, stimmungsaufhellend, immunmodulierend und stoffwechselregulierend wirken. Im MRT lässt sich während der Behandlung in jenen Hirnbereichen, die mit den stimulierten Akupunkturpunkten in Verbindung stehen, eine stark erhöhte Aktivität nachweisen.

Was kann man mit Akupunktur behandeln?

Gut bekannt ist der Einsatz der Akupunktur in der Schmerztherapie.
Durch Untersuchungen im Humanbereich mit über 250.000 Patienten wurde nachgewiesen, dass Akupunktur bei chronischen Kopf-, Rücken-, und Gelenkschmerzen ( z.B. infolge einer Arthrose) in 75% der Fälle eine deutliche und langanhaltende Schmerzlinderung bewirkt. In diesen Studien zeigte die Akupunktur teilweise sogar bessere Ergebnisse als die konventionelle Schmerztherapie.
Auch in der Tiermedizin stellt die Akupunktur eine echte, nebenwirkungsfreie Alternative zur Dauergabe von Schmerzmitteln dar.
Gerade ältere Katzen, bei denen die Schmerzmitteltherapie oft aufgrund einer chronischen Nierenschädigung risikobehaftet ist, können schonend mit Akupunktur behandelt werden.
Weniger bekannt ist die Akupunktur als Therapie bei anderen Erkrankungen.
Tatsächlich kommt aber nur 1/3 meiner Akupunkturpatienten zur Schmerztherapie, der weitaus größere Anteil wird wegen anderer Probleme behandelt.
Hier liegt der Schwerpunkt auf chronischen, funktionellen Störungen.
Akupunktur wird aber auch bei akuten Erkrankungen eingesetzt. Besonders Jungtiere mit ihrer raschen Regulationsfähigkeit reagieren sehr gut auf Akupunktur.

Eine kleine Übersicht möglicher Indikationen:

  • Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Arthrosen und Paresen
  • Erkrankungen des Verdauungssystems wie Durchfall, Erbrechen, Leber- und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen
  • Erkrankungen der Atemwege wie Asthma, Katzenschnupfen, Sinusitis
  • chronische Augen- und Ohrenentzündungen
  • Erkrankungen der Harnwege wie Blasenentzündung und Inkontinenz
  • gynäkologische Erkrankungen wie Zyklusstörungen, verzögerte Läufigkeit, Scheinträchtigkeit, Sterilität, Geburtserleichterung, Puerperalstörungen
  • Verhaltensstörungen
  • Hauterkrankungen und Allergien
  • chronische Infektionserkrankungen (begleitend z.B. bei Leishmaniose und FeLV)
  • Tumorerkrankungen (i.d.R. begleitend)

Nicht zuletzt hat die Akupunktur auch einen Einsatzbereich in der Prophylaxe:

  • zur Vorbeugung bei Erkrankungen, die intermittierend oder in Schüben verlaufen
  • zur Vorbeugung vor belastenden Situationen
  • zur Vorbeugung bei bekannter Krankheitsdisposition
  • zur Altersprophylaxe

Wie verläuft eine Akupunkturbehandlung beim Tier?

Vor der Akupunktur wird das Tier nach den Regeln der TCM untersucht und eine Diagnose erstellt (s. Info TCM).
Ich steche dann selten mehr als 4 Akupunkturpunkte pro Behandlung. In meinen Augen ist Akupunktur energetische Medizin. Ich beeinflusse den Qi-Fluss im Körper, und zu viele Signale schaffen sozusagen Verwirrung in den Schaltkreisen.
Da die Nadeln sehr dünn sind (s. Foto), ist der Einstich kaum schmerzhaft und wird von den meisten Tieren gut toleriert.
Die Nadeln sollen 15-20 Minuten im Punkt verbleiben. Währenddessen muss das Tier beaufsichtigt werden, damit es sich die Nadeln nicht zieht oder sogar verschluckt.
Bei Welpen werden die Nadeln nach dem Einstich sofort wieder gezogen, da der Reiz sonst zu stark wird.
Anzahl und Abstand der Behandlungen variieren je nach Krankheitsbild. Häufig sind es 1 - 2 Behandlungen pro Woche.
In manchen Fällen muss man dem Körper aber 14 Tage oder 4 Wochen Zeit zur Regulation geben. Akute Erkrankungen sprechen rascher auf die Behandlung an als chronische.
Als Faustregel gilt: je länger eine Erkrankung bestanden hat, desto länger dauert die Regeneration.

Welche Ergebnisse kann man erwarten?

Meist kann man direkt nach einer Akupunkturbehandlung positive Veränderungen im Befinden des Tieres beobachten, auch wenn nicht sofort alle Symptome verschwinden.
Initial sollte man mit 4-6 Behandlungen rechnen, um eine deutliche und belastbare Regulation im Körper zu erzeugen.
Ich erlebe aber auch immer wieder, dass sogar Symptome, die über ein Jahr bestanden haben, nach einer einzigen Behandlung wie weggeblasen sind.
Andererseits beobachte ich manchmal auch einen völlig unauffälligen, schleichenden Heilungsverlauf. Wochen nach der Behandlung ist das Tier dann symptomfrei, und keiner hat gemerkt, wie das ging. Mit der Akupunktur als „Initialzünder" für die Selbstregulation des Körpers wird dieser Verlauf dann nicht mehr in Zusammenhang gebracht.
Natürlich gibt es auch in der Akupunktur keine 100%ige Erfolgsgarantie.
Je nach Lage des Falles wird man eine Ausheilung erreichen, dauerhaft die Symptome unter Kontrolle halten können, eine Verbesserung des Gesamtzustandes herstellen oder auch nur eine Reduzierung der notwendigen Medikamente bewirken.

Akupunktur

Akupunkturnadeln im Vergleich zu Injektionsnadeln

Akupunktur des Kopfmittelpunkts Bai Hui