Dr. med. vet. Ian Steuer

Praxis für integrative Tiermedizin und Akupunktur

Diagnostik nach TCM

Traditionelle chinesische Medizin kann auf eine ca. 4000-jährige Entwicklungsgeschichte zurückblicken. Sie besitzt von allen nichttechnologischen medizinischen Systemen die höchste Komplexität und ist durch ihr ganzheitliches Verständnis gerade heute eine faszinierende Ergänzung zur konventionellen westlichen Medizin.

Zentrale Begriffe der TCM sind das Qi, die universelle Lebensenergie, ohne die es kein Leben gibt, und das gegensätzliche Kräftepaar Yin und Yang, dessen harmonisches Zusammenspiel ein gesundes Leben ermöglicht.

Ein starkes, frei fließendes Qi und ein harmonisches Zusammenwirken von Yin und Yang sind das Ziel der Therapie der TCM. Die Therapiemöglichkeiten umfassen Akupunktur, Tuinamassage (Akupressur der Akupunkturpunkte), Kräuterheilkunde, Diätetik und Qi-Gong (Körperarbeit mit dem Qi).

TCM in meiner Praxis

Die Betrachtung eines Lebewesens in seiner Ganzheit, die Regulation des Qi und die Harmonisierung von Yin und Yang als Basis eines gesunden Lebens bilden in meiner Praxis die Grundlage meines diagnostischen und therapeutischen Vorgehens - was nicht zwingend heißt, dass ich immer und überall chinesisch therapiere.

Vor allem Akupunktur und Akupressur kommen mit gutem Erfolg zum Einsatz. Akupunkturpatienten untersuche ich nach den Regeln der traditionellen chinesischen Medizin (ausführlicher Vorbericht, Puls- und Zungendiagnose, körperliche Untersuchung und Untersuchung diagnostischer Akupunkturpunkte).
Ich erstelle eine TCM-Diagnose, die sich für den westlichen Menschen manchmal seltsam anhören mag (so was wie: „Die Leber greift Magen und Milz an." oder „Wind im Gallenblasenmeridian"). Anschließend entwickle ich ein Akupunkturkonzept, das auf der chinesischen - und eben nicht auf der naturwissenschaftlichen - Diagnose beruht. Da ich integrativ arbeite, werden alle Patienten von mir zusätzlich konventionell klinisch untersucht, und ich begrüße durchaus zusätzliche Daten aus maschinengestützter, westlicher Diagnostik (Laborwerte, Ultraschall, Röntgen). Zentrale Aspekte meiner chinesischen Diagnose sind Störungen im Gleichgewicht von Yin und Yang, Störungen der Lebensenergie Qi, Störungen im Qi-Fluss innerhalb der Meridiane und Störungen im Zusammenspiel der 5 grundsätzlichen Energiequalitäten der inneren Organe. Solche Befunde erhebe ich oft auch bei Patienten, die nicht mit TCM behandelt werden, da sie mir zusätzliche Informationen über den Zustand des Patienten liefern, die von der klinischen Untersuchung nicht erfasst werden.

Chinesische Kräuter verwende ich selten. Sie haben nachweisliche pharmakologische Wirkungen und auch Nebenwirkungen. Ihre Aufnahme, Verteilung, Wirkung und Ausscheidung im Organismus von Hund und Katze ist wenig untersucht.
Auch stößt der Einsatz chinesischer Kräuter in der Kleintierpraxis insbesondere bei Katzen auf Akzeptanzschwierigkeiten. Die komplexe Zusammenstellung chinesischer Kräutermittel und die schlechte Akzeptanz widersprechen meiner Forderung nach Überschaubarkeit und Praktikabilität einer Therapie. Ich beschränke meine Kräutertherapie auf einige gut dokumentierte Pflanzen europäischen Ursprungs, einige nebenwirkungsfreie Kräuter der chinesischen und ayurvedischen Medizin sowie auf Heilpilze, und ergänze die Akupunktur häufiger mit Homöopathika und Bachblüten.

Die chinesische Ernährungslehre wende ich in der Fütterungsberatung an. Sie lässt sich aber meiner Ansicht nach nicht eins zu eins vom Menschen aus einer Kultur, in der Reis das Grundnahrungsmittel bildet, auf unsere Kleintierpatienten übertragen.
Ich ergänze die chinesische Diätetik mit Erkenntnissen aus der modernen Ernährungsphysiologie, aus den Nutrigenomics (genetische Grundlagen der Ernährung) und der orthomolekularen Medizin (Nahrungsergänzungen).

Qi-Gong für Hund, Katze oder Kaninchen klingt absurd, ist aber gar nicht so abwegig.
Das Ziel des Qi Gong ist die Vermeidung von Energieblockaden und die Vermehrung des Qi. Unsere tierischen Heimgenossen sind längst nicht so instinktreduziert wie wir Menschen. Sofern wir sie nicht per Züchtung verkrüppelt haben und ihnen ein artgerechtes Leben ermöglichen, sorgen sie selbst für einen harmonischen Qi-Fluss durch das rechte Maß an Aktivität (Yang) und Ruhe (Yin).

Die moderne Wohnungshaltung wird den natürlichen Bewegungsbedürfnissen der Haustiere oft nicht gerecht, sodass ich täglich mit Qi-Blockaden und -Defiziten zu tun habe, die zu „psychoneuroimmunologischen" Erkrankungen, Adipositas und metabolischen Störungen geführt haben. Hier gebe ich Ratschläge zur Stressvermeidung und zu Möglichkeiten, den artgerechten Bewegungsbedürfnissen mehr Spielraum einzuräumen.

„Wenn ein starkes Qi frei fließt, bleibt der Körper kerngesund, und der Mensch (und auch das Tier) hat ein langes Leben".
Zitat von Mantak Chia (Ergänzung von mir)